Interview im Magazin “Geek!” (2013)

Geek!: Du bist ja eigenen Angaben zufolge süchtig nach Computerspielen. Wie findet man als begeisterter Gamer überhaupt noch Zeit zum Schreiben?

Ertappt. Das kann in der Tat zum Problem werden. Oder sollte ich besser sagen: Manchmal ist es verdammt hart, dem Klick aufs Spiel zu widerstehen, wenn ich eigentlich schreiben sollte? Ich schaffe das nicht immer. Vor allem dann nicht, wenn ich an einer schwierigen Stelle im Roman feststecke und erst einmal eine Lösung finden muss, wie es weitergehen soll. Dann ist es äußerst verlockend, eine Runde zu spielen – nur so ein bisschen, um den Kopf frei zu bekommen. Und ein paar Stunden später frage ich mich, wo die Zeit geblieben ist …

Aber ich will meine Geschichten auch unbedingt erzählen, und wenn ich sie nicht aufschreibe, tut es nun einmal keiner. Das ist mein Ansporn. Wenn ich dann erst einmal angefangen habe, erzeugen die Figuren und die Handlung auch einen gewissen Sog, der es leichter macht, der Spielsucht zu widerstehen.

Haben Computerspiele einen Einfluss auf dein Werk?

Abgesehen davon, dass sie es sabotieren? Scherz beiseite: Ja, auf jeden Fall. Zum Beispiel war ich früher nicht gerade ein Überflieger, was Strategie und Taktik angeht. Ich habe mir darüber kaum Gedanken gemacht und Kämpfe in Computerrollenspielen eher aus dem Bauch heraus angepackt. Genauso habe ich auch Kampfszenen oder ganze Schlachten geschrieben. Das hat irgendwie funktioniert, aber so richtig zufrieden war ich damit nicht. Dann hatte ich vor etlichen Jahren eine Phase, in der ich exzessiv „Heroes of Might and Magic“ gespielt habe. Ich war so süchtig danach, dass meine Arbeit schon darunter gelitten hat. Aber mein Schreiben hat am Ende davon profitiert, denn bei diesem Spiel habe ich endlich gelernt, mir vor einem Kampf genau zu überlegen, wie ich ihn mit möglichst geringen Verlusten gewinnen kann. Ich spiele im Kopf oder auf Papier verschiedene Varianten durch, bevor ich mich für die beste entscheide. Wobei im Roman dann allerdings nicht im Vordergrund steht, möglichst geringe Verluste zu haben, sondern den Verlauf überzeugend, realistisch und dabei maximal spannend zu gestalten.

Wie bist du zum Spielen gekommen?

Also das erste Spiel, das ich in den 80ern in die Finger bekam, war Space Invaders, und ich war sofort süchtig. Es war eine batteriebetriebene Konsole, was meinen Verschleiß an Batterien enorm in die Höhe trieb. Das Ding ist schon so lange auf dem Müll, dass ich nicht einmal den Hersteller kenne, und es lief auch nur dieses Spiel darauf, aber es war definitiv meine Einstiegsdroge.

So richtig in Fahrt kam die Sache dann mit einem Amiga2000 und den Dungeons & Dragons-Computerrollenspielen wie „Pool of Radiance“ oder „Curse of the Azure Bonds“. Wenn man sie sich heutzutage noch mal ansieht, löst die pixelige Grafik zwar nur noch Lachanfälle aus, aber damals waren sie der Hammer, und ich habe ungezählte Nächte damit verbracht, sie mehrfach durchzuspielen.

Was für Spiele haben dich besonders geprägt?

Ganz klar natürlich die gerade erwähnten AD&D-Klassiker. Mit ihnen war ich auf Computerrollenspiele abonniert. Ich habe zwar auch andere Sachen gespielt, wie „X-Wing“ aus dem StarWars-Universum oder „Red Baron“, die Doppeldecker-Flugsimulation, aber die haben mich nicht in diesem Ausmaß begeistert. Das macht sich bis heute bei meinen Vorlieben bemerkbar, weshalb ich zum Beispiel „Drakensang“ und den Nachfolger „Am Fluss der Zeit“ aus der Welt von „Das Schwarze Auge“ echt stark fand.

Was hast du gespielt, während du den Roman geschrieben hast?

Natürlich bin ich meiner Linie treu geblieben und spiele „Skyrim“. Da ich einen Pfeil ins Knie bekommen habe, hinke ich immer noch durch die grandiose Landschaft 😉 Falls übrigens jemand Lust haben sollte, ein Spiel zum Buch zu programmieren: Wenn es wie „Skyrim“ aussieht, sind „Der Letzte Krieger“ und ich dabei!

Hast du neben dem Spielen noch anderen Interessen? Ist etwas davon in deinen Roman eingeflossen?

Vermutlich fließt unbewusst so ziemlich alles in meine Schreiberei ein, was mich beschäftigt oder beeindruckt. Deshalb haben sicher auch meine vielen Reisen quer durch Europa ihre Spuren darin hinterlassen, aber ich könnte nicht sagen, in welcher Form das passiert ist. Ganz sicher ist dagegen, dass mein Faible für alte Völker und ihre Mythen Einzug in den Roman gehalten hat. Besonders die griechische Mythenwelt hat mich in letzter Zeit fasziniert und die Gestaltung des Kontinents Ardaia beeinflusst. Das merkt man nicht nur an den Namen und kulturellen Details, sondern auch an den Fabelwesen, die im Roman auftauchen. Es gibt in Ardaia zwielichtige Harpyien, diebische Faune, eigensinnige Greife, und dazu noch einige von mir erdachte Chimären, die an der Ausrottung der Menschheit beteiligt waren.

Aber größtenteils ist die Welt des Romans eine normale Fantasy-Welt?

Im Vordergrund stehen ganz klar die klassischen Fantasy-Völker, also Elfen, Zwerge, Trolle und Orks. Insofern kann man „Der Letzte Krieger“ auch als klassische Fantasy einordnen. Was auf den ersten Blick nicht so gewohnt wirkt, sind vielleicht die vielen Untoten, von denen es besonders in der zweiten Hälfte des Romans wimmelt. Das macht den Letzten Krieger aber nicht zum Zombie-Roman, denn auch bei Tolkien gab es bereits Untote, die den Helden das Leben schwer machten.

Alles wird besser mit Zombies?

Untote und Fantasy gehören einfach zusammen wie Zwerge und Erz; sie sind ohne einander möglich, aber sinnlos.

Was ist deine Lieblingsstelle in dem Roman?

Da gibt es mehrere, und manche kann ich gar nicht nennen, ohne zu viele Überraschungen zu verraten. Zu meinen Favoriten gehört aber auf jeden Fall die Szene, als der Letzte Krieger und der Anführer der Trolle am Lagerfeuer sitzen und über die Eroberung schöner Frauen reden. Trolle haben da ihre ganz eigene Strategie.

Eine andere Lieblingsstelle ist ein Zitat von Athanor, dem Letzten Krieger. Er sagt es relativ früh im Roman, aber die volle Bedeutung dieser Worte versteht man erst, wenn man Athanors ganze Geschichte kennt: „Ich bin kein Held. Helden wissen, wann es Zeit ist zu sterben.“

Wenn du einen „Schreibe was du willst“-Buchvertrag bekämst, was würdest du als nächstes schreiben?

Nach Untoten wären dann eigentlich Piraten dran. Oder untote Piraten. Wer weiß? Ganz konkret habe ich auch schon ein paar Ideen, wie es mit dem Letzten Krieger weitergehen könnte, über die ich sehr gern schreiben würde. Der aktuelle Roman ist zwar in sich abgeschlossen, aber die Welt und auch die Figuren – allen voran Athanor – bieten noch viel Potenzial für neue Gefahren und epische Schlachten. Unter der Oberfläche brodelt da einiges, worauf ich mich schon sehr freue.